{"id":30,"date":"2025-05-30T16:46:00","date_gmt":"2025-05-30T14:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/mynas-on-pines.net\/?p=30"},"modified":"2025-10-28T13:55:07","modified_gmt":"2025-10-28T12:55:07","slug":"verzweifeln-wir-nicht-an-den-meinungsumfragen-unter-israelis-und-palastinensern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mynas-on-pines.net\/?p=30","title":{"rendered":"Verzweifeln wir nicht an den Meinungsumfragen unter Israelis und Pal\u00e4stinensern"},"content":{"rendered":"\n<p>Viele Menschen zeigen sich schockiert von Meinungsumfragen in Israel und Pal\u00e4stina etwa was pal\u00e4stinensisch-arabische Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 mit seinen Massakern oder was israelisch-j\u00fcdische Unterst\u00fctzung f\u00fcr Aushungerung oder Vertreibung angeht. Isoliert betrachtete Umfrageitems weredn oft als Argument herangezogen, um zu zeigen, dass ein Kompromissfrieden und ein Zusammenleben nicht m\u00f6glich w\u00e4ren oder dass zun\u00e4chst mindestens eine Seite <a><\/a>einen vollst\u00e4ndigen ideologischen L\u00e4uterungsprozess durchlaufen m\u00fcsste, ehe ein Fortschritt f\u00fcr Frieden m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne auf Details der Entwicklungen seit dem Hamas-Angriff einzugehen, zeigt die langj\u00e4hrige Meinungsforschung etwa des PCPSR in Ramallah und der Universit\u00e4t Tel Aviv jedoch ein allgemeines Muster: Es gibt in der Bev\u00f6lkerung auf beiden Seiten einen harten Kern, der nach Eigenaussage unter keinen Umst\u00e4nden zu einem Frieden bereit ist, aber die Minderheit bildet; eine Minderheit, die klar f\u00fcr Frieden eintritt; und dann einen Teil, der zwar zentrale Minimalforderungen der je anderen Seite an sich ablehnt, aber unter g\u00fcnstigen Bedingungen (Zugest\u00e4ndnisse der anderen Seite, internationale Unterst\u00fctzung, nur schlechtere Alternativen) zu einem Kompromissfrieden bereit ist. Die Kompromissbereitschaft ist nicht gro\u00df genug, als dass Mehrheiten auf beiden Seiten bereits jetzt \u00fcber eine endg\u00fcltige L\u00f6sung \u00fcbereinkommen k\u00f6nnten. Aber zumindest sind auf beiden Seiten die Mehrheiten nicht gegen den Frieden per se<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen eine idealistische Vorstellung davon, wie erst durch eine Revolution in den K\u00f6pfen (Dekolonisierung, unlearning des Zionismus oder des Antisemitismus, Abkehr vom politischen Islam) Frieden m\u00f6glich w\u00fcrde, zeigt die Existenz der letzteren Bev\u00f6lkerungsgruppe, dass konkrete, pragmatische, politische Schritte im Interesse beider Seiten m\u00f6glich sind, die auch eine positive Ver\u00e4nderung der Ideologien auf beiden Seiten nach sich ziehen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Initiative, ein verbindliches und stehendes Friedensangebot zu machen, wird von einer israelischen Regierung \u2013 auch auf internationalen Druck \u2013 ausgehen m\u00fcssen, etwa nach \u00e4hnlichen Parametern wie die Genfer Initiative. Entwicklungen, die darauf abzielen, einen pal\u00e4stinensischen Staat unm\u00f6glich zu machen, und vor allem Partikularinteressen einer fanatisierten israelischen Minderheit dienen, k\u00f6nnen einseitig gestoppt werden \u2013 keine Ausweitung von Siedlungen mehr, st\u00e4rkere Bek\u00e4mpfung des j\u00fcdischen Terrorismus, Erhalt des Status quo auf dem Tempelberg. Israel kann das v\u00f6llig schadlos einseitig tun und einseitig ein Angebot unterbreiten und damit den Diskurs sowohl in Israel wie auch in Pal\u00e4stina und international in die richtige Richtung umorientieren. Pal\u00e4stinensische Friedensinitiativen sind nat\u00fcrlich auch zu begr\u00fc\u00dfen, es ist aber schlichtweg nicht zu erwarten, dass ein signifikanter Teil der Pal\u00e4stinenser einseitig Forderungen aufgeben und den bewaffneten Widerstand verurteilen wird, w\u00e4hrend die israelische Regierung nichts zu bieten hat als weitere Besatzung, weitere Vertreibung und weitere Enteignung. Das Ergebnis w\u00e4re lediglich eine weitere Schw\u00e4chung des an Koexistenz interessierten politischen Lagers in Pal\u00e4stina. Der Ball liegt hier also bei Israel.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend l\u00e4ge der Ball aber bei den Pal\u00e4stinensern. Wir wissen, wenn wir die Realit\u00e4t zur Kenntnis nehmen, dass Israel unter keiner Regierung einseitig die Mauer einrei\u00dfen und die Siedlungen und die Au\u00dfengrenzen denn Pal\u00e4stinensern \u00fcberlassen wird. Wir wissen, dass pal\u00e4stinensische, vor allem jihadistische Terrorangriffe folgen w\u00fcrden. Wir wissen, dass Jihadisten mindestens lokal die Macht \u00fcbernehmen w\u00fcrden und dass sie Drohnen und andere Waffen aus dem Iran importieren w\u00fcrden. Wir wissen, dass einseitige vermeintliche Zugest\u00e4ndnisse ohne tragf\u00e4higen Friedensplan sogar gezielte Mittel der israelischen Rechten sein k\u00f6nnen, um Pal\u00e4stina zu destabilisieren (siehe der Abzug aus Gaza 2004). Ein Ende der Besatzung ohne vorherige Schritte wird es nicht geben \u2013 auch das IGH-Rechtsgutachten erkl\u00e4rt \u00fcbrigens, dass Israel nur verpflichtet ist, sich so schnell aus der West Bank zur\u00fcckzuziehen, wie es die eigene Sicherheit zul\u00e4sst, sobald es pal\u00e4stinensische konkrete Angriffsvorbereitungen gibt, gibt es wiederum ein Recht auf Selbstverteidigung. Wenn wir realistisch sind, wird dann also der Ball bei den Pal\u00e4stinensern liegen, zu zeigen, dass sie f\u00e4hig sind, Terrorismus selbst zu unterbinden, den Hass aus der Schulbildung und den Medien auszutreiben und eine stabile Regierung zu bilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Israel ein entsprechendes gro\u00dfz\u00fcgiges stehendes Angebot unterbreitet hat, w\u00fcrde es Schritt f\u00fcr Schritt dann seinen Verpflichtungen nachkommen, sobald die Pal\u00e4stinenser den entsprechenden Schritt gegangen sind, der die Bereitschaft demonstriert, einen pal\u00e4st in Frieden mit Israel lebenden pal\u00e4stinensischen Staat aufzubauen. Ein solches Angebot zu unterbreiten, ist in Israels eigenem Interesse. Nur mit einem solchen stehenden Angebot gibt es eine gute Chance, dass sich in Pal\u00e4stina Stimmen des Friedens politisch durchsetzen. Gleichzeitig sind die Risiken minimal \u2013 gerade im Vergleich mit einer Fortsetzung des status quo.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/permalink.php?story_fbid=pfbid02Gf5ghYPK9LAXxZKpR9VQEyVrXtT8Efdq8HzxU84ee2RaunbEikBpK3GiWMn6WHYTl&amp;id=61555925489653\">Dan Chazan<\/a> macht diese M\u00f6glichkeit sehr deutlich:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>This article proposes a pragmatic approach to establishing a stable and peace-loving Palestinian state alongside Israel. At the outset, a clear, predefined <a><\/a>final status is established. The path to achieving this goal is broken down into manageable, pre-defined stages. Each stage has its own set of commitments, with parties fulfilling their obligations in sequence. Crucially, the commitment of the parties is limited to the next stage only, rather than the final status, allowing for incremental progress and flexibility. If all stages are successfully completed, the predefined final status will be realized, paving the way for a lasting peace. The process is driven by the desire of the sides to avoid resumption of hostilities at each step and the expectation of reaching the desired final status.<\/p>\n\n\n\n<p>The two state solution has many variants some such as federative approaches, addressing the emotional attachment of Palestinians to the land others addressing the number of settlers who will have to be displaced in a two state solution. Each one of these have advantages and drawbacks. What is missing in all of them is a reference to the lack of support in Israel to any such solution motivated by the fear that the Palestinian state will be unstable at best and Hamas controlled at worst. Apart from the effect these concerns have on the Israeli electorate, the are also valid concerns about possible undesirable scenarios. On the Palestinian side there are issues of leadership. Today There is no Palestinian representative leadership capable of leading the creation of a peace loving stable state. There is a great deal of support for the Hamas and no belief that peace is possible. Any proposals must address these issues. What is missing in all the peace proposals is an incorporation of the element of time. There is no way to successfully create a stable peace loving state without allowing the time for the creation of leadership and understanding among Palestinians what such a process entails. The result is that peace proposals concentrate on limiting the ability of a Palestinian state to inflict damage by limiting its fighting force or by controlling its borders. What happened in Gaza illustrates that when people are determined to fight no constraints imposed from the outside can stop them. The only effective tool against violent disruptions is that both states are stable and peace loving.<\/p>\n\n\n\n<p>The following approach can be applied with each and every of the proposed final status solutions.<\/p>\n\n\n\n<p>The main idea is to create an implementation plan which will guarantee the creation of a stable peace loving Palestinian state. The plan will consist of the following elements:<\/p>\n\n\n\n<p>1. The plan will be proposed by Israel so as to make its outcome attractive to Palestinians.<\/p>\n\n\n\n<p>2. It will be non revocable standing offer.<\/p>\n\n\n\n<p>3. It will define a desired final status.<\/p>\n\n\n\n<p>4. It will describe A detailed staged plan with steps carried out alternatively by each of the sides. Each of the steps small enough not to entail a significant risk on the sides.<\/p>\n\n\n\n<p>5. At each step the sides have to demonstrate their commitment to the goal of coexisting peacefully commensurate with their current abilities. Tests such as relevant school curriculum, the discourse in the street and the ability to disarm militias will be used.<\/p>\n\n\n\n<p>6. No side commits to the final status but only to the plan<\/p>\n\n\n\n<p>7. No external body to force implementation of the plan. The only driving force should be the desire of the sides to reach the final status and avoid wars.<\/p>\n\n\n\n<p>It is anticipated that the existence of such a plan will start a process in the Palestinian street which will bring forth public support and a leadership empowered to carry out the necessary steps.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Menschen zeigen sich schockiert von Meinungsumfragen in Israel und Pal\u00e4stina etwa was pal\u00e4stinensisch-arabische Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 mit seinen Massakern oder was israelisch-j\u00fcdische Unterst\u00fctzung f\u00fcr Aushungerung oder Vertreibung angeht. 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