Benny Morris bezeichnete 2004, während der zweiten Intifada, in einem Interview das palästinensische Volk als ein wildes Tier, das für eine Weile weggesperrt werden müsse. Moralisierende Studierende an der Universität Leipzig erzwangen jetzt mit Verweis auf die rassistische Sprache dieser Aussage die Absage eines Vortrags des bedeutenden Historikers des Krieges von 1947–1949 und der Flucht und Vertreibung der Palästinenser. Rashid Khalidi, der einflussreichste gegenwärtige Historiker des Nahostkonflikts, der diesen als Konflikt zwischen einer siedlerkolonialen Bewegung und einer kolonisierten Bevölkerung beschreibt, nun bezeichnet das palästinensische Volk und mitsamt seiner maßgeblichen politischen Akteure in einem jüngsten Interview als einen Dampfkochtopf, der aufgrund eines Überdrucks regelmäßig Menschen massakriert. Da frage ich mich doch: Ist die Bezeichnung als Dampfkochtopf eigentlich so viel schmeichelhafter als die Bezeichnung als wildgewordenes Tier, die dem betreffenden Volk vielleicht doch noch eine gewisse Würde belässt? Was sagt eine solche Bezeichnung eigentlich über den Blick auf das eigene Volk aus? Und warum sind manche anderen unterdrückten und vefolgten Völker eigentlich weder Dampfkochtöpfe noch wildgewordene Tiere?
Ansonsten trotzdem sehr lesenswertes Interview mit Haaretz, das mit vielen einseitigen Erklärungen des Scheiterns des Oslo-Prozesses aufräumt und auf von Anfang an in ihm angelegte Mängel hinweist. → https://archive.is/XBziG ←

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