Nicht dass es einen Unterschied machen würde für die Jihadisten und nicht dass es für die Bewertung der gezielten Kriegsverbrechen, des Terrors der Hamas einen Unterschied machen würde, aber ich erwähne es trotzdem, wo ich jetzt die ein oder anderen mehr oder minder Linken lese, die suggerieren, wer so in der Nähe von Gaza leben würde, wäre ja eh selber schuld, wäre womöglich Ultranationalist, und die ständig das missverständliche Wort „Siedlung“ benutzen (was schlicht eine unsensible Übersetzung sein kann) für die Kibbutzim, Dörfer, Städte, die mit illegalen Siedlungen nichts zu tun haben: 50 Geiseln wurden im Kibbutz Be’eri von der Hamas für 17 Stunden im Speisesaal festgehalten, bis sie befreit werden konnten. Diesen Speisesaal gibt es, weil es sich um ein Kibbutz handelt, in welchem nach wie vor ein sozialistisches, kommunalistisches Zusammenleben im Sinne gemeinsamen Wirtschaftens und gemeinsamer Organisation des täglichen Lebens geführt wird – anders als eben viele verbürgerlichte Kibbutzim. In dem Kibbutz fanden wiederholt friedensaktivistische Veranstaltungen von jüdischen Israelis und Palästinensern gemeinsam statt (etwa von den Combatants for Peace, einer Organisation von ehemaligen IDF-Soldaten und ehemaligen palästinensischen Milizionären). Jede Woche organisierten seit einigen Jahren Bewohner von Be’eri mit anderen zusammen in einer alten aufgegebenen Fabrik des Kibbutz einen politischen Gesprächskreis „Lighthouse for Gaza“, eben auch mit arabischen Bewohnern der Region und zugeschalteten Freunden in Gaza (die Hamas inhaftiert derweil Bewohner Gazas allein dafür, dass sie Online-Gesprächsrunden mit Israelis organisieren). Kibbutzniks organisierten auch humanitäre Hilfe für ihre Nachbarn im Gazastreifen, etwa wenn Hilfe für eine medizinische Behandlung in Israel benötigt wurde. Die Jihadisten sind in dem Kibbutz mit 1200 Einwohnern von Tür zu Tür gegangen, haben Bewohner erschossen oder eben in den Speisesaal abgeführt. Ein in die Terroroperation eingebetteter palästinensischer Reporter berichtete derweil vor der Kamera. Ein Glück, dass die Geiselbefreiung zumindest erfolgreich war.

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